Digital oder geschlossen – die Bibliotheken der Zukunft

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Bibliothekskonzepte

In einem Feature IQ – Wissenschaft und Forschung am Mittwoch, 30. Juli 2008, 18:05-18:30 Uhr (Autor: Martin Schramm, Redaktion: Hildegard Hartmann), Bayern 2, ging es um die Bibliotheken der Zukunft – um unterschiedliche Bibliotheksprofile von der Würzburger Stadtbücherei bis zu hochspezialisierten Forschungseinrichtungen wie der Bayerischen Staatsbibliothek. Der Radiobeitrag steht auch zum Download auf der Website von BR-online bereit.

„Wenn sich Bibliotheken jetzt auf den Verleih von rein physischen Trägermedien beschränken, dann können sie bestimmte Inhalte bald überhaupt nicht mehr an die Öffentlichkeit vermitteln“, so Holger Behrens, Geschäftsführer der Firma DiViBib und Experte für virtuelle Bibliotheken. Die Bibliotheken werden sich also an die Wünsche ihrer Kunden anpassen müssen. In der Tat recherchieren viele Menschen heute vorrangig übers Internet. Und immer mehr digitale Medien gelangen via Internet zum Nutzer, so dass es Musik und Audio-Inhalte auf CDs und DVDs möglicherweise bald nicht mehr geben könnte.
Auch Bücher in elektronischer Form liegen im Zukunftstrend. Eine Studie der British Library prognostiziert für 2020, dass 40 Prozent aller Bücher dann nur noch in elektronischer Form erscheinen würden. Zwar meinen Skeptiker, das sinnliche Erlebnis beim Blättern eines Buches sei doch nicht ersetzbar und das Lesen von Romanen und wissenschaftlicher Literatur am Bildschirm nicht praktikabel. Doch insbesondere jüngere Studierende würden das bereits jetzt tun. Es sei durchaus realistische Zukunftsmusik, dass in 20 – 25 Jahren Romane mit E-Book-Readern wie „dicke Schwarten“ am Strand gelesen werden, so Dr. Klaus Ceynowa, Stellvertreter des Generaldirektors der Bayerischen Staatsbibliothek. Voraussetzung hierfür sind kompakte, mobile Lesegeräte, die Videos, Texte und Animation kombiniert darstellen. Das Lesen hiermit ist zwar nicht so sinnlich wie bei Büchern, aber multimedial und flexibel.

Neue Wege beschreiten vor allem große Forschungsbibliotheken mit Scanrobotern und ihren Digitalisierungsvorhaben. Deren Vision ist, dass man online das Inhaltsverzeichnis von Büchern und Zeitschriften überblicken und ein Buch gleich via Internet lesen kann, ohne die Bibliothek vor Ort aufsuchen zu müssen. Dr. Klaus Ceynowa berichtet von dem Mammutprojekt der Bayerischen Staatsbibliothek, urheberrechtsfreie Werke von Autoren, die seit mehr als 70 Jahren tot sind, zu digitalisieren. Dies passiert in der Digitalisierungsstraße, wo Buchscanner und Scanroboter eingesetzt werden. Ziel ist es, digitale Kopien für die Recherche im Internet zu erstellen. 1,5 Millionen Bände sollen in 10 Jahren digital verfügbar sein.

Doch auch die städtischen Bibliotheken warten mit neuen Konzepten auf. Für diese gibt es das Pilotprojekt „Virtuelle Stadtbibliothek“ – oder: „Onleihe“, das Nutzern ermöglicht, nicht nur online im Katalog zu recherchieren, sondern auch digitale Medien übers Internet auszuleihen. Die vier Onleihe-Bibliotheken Hamburg, Köln, München und Würzburg haben als Zielgruppe vor allem jene Menschen, denen die Zeit fehlt, in eine „normale“ Bibliothek zu gehen – oder Leute, die sich nachts mit Lese- und Hörstoff eindecken wollen. Barbara von Kriegelstein, Münchner Stadtbibliothek, gibt einen Überblick über die dortige „Onleihe“ mit rund 6.000 Medien und deren Nutzung. Besonders gefragt sind die vorhandenen Angebotsschwerpunkte (z.B. berufliche Literatur), Hörbücher und der Spiegel. Allerdings steckt das „virtuelle Angebot“ noch in den Anfangsschuhen. Vielen Verlagen fehlen die technischen Möglichkeiten, E-Books zu erstellen oder die Urheberrechte sind nicht geklärt. Auf Dauer aber könnte sich die „Onleihe“ in öffentlichen Bibliotheken durchsetzen.

Egal wie virtuell die Bibliothek von morgen sein wird – der Ort selbst, die Bibliothek mit ihren Kernkompetenzen wird nicht verschwinden. Bibliotheken sind „Kompetenzzentren für lebenslanges Lernen“, arbeiten mit Schulen zusammen, halten Angebote wie literarische Krabbelgruppen für Mütter mit Kleinkindern vor und bieten Kurse zum kreativen Schreiben für Senioren an.
Dr. Hannelore Vogt, Leiterin der Stadtbücherei Würzburg, berichtet von ihrem breit gefassten Konzept des lebenslangen Lernens und der Lese- und Informationsförderung für alle Altersgruppen im oben genannten Sinne. Die Bibliothek versteht sich als Kulturhaus der Stadt, das auch den Sozialfaktor berücksichtigt: 40 Prozent der Nutzer kommen ins Haus, ohne Medien zu entleihen. Vor allem Senioren besuchen das Lesecafé, lesen Zeitung und tauschen sich darüber aus. Sie wollen nichts konsumieren, sondern einfach unter Menschen sein.
Öffentliche Bibliotheken werden folglich auch in Zukunft Kommunikationsorte und „kulturelle Kraftwerke“ bleiben, die für Chancengleichheit sorgen.

Nach Informationen von BR-online

„Die Bibliotheken der Zukunft“ – Feature bei BR-online

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