Literaturnacht an ungewöhnlichen Orten

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Stadtbibliothek Weißenburg – Lesungen an ungewöhnlichen Orten

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Die Idee der „Literaturnacht“ mit Lesungen an ungewöhnlichen Orten ist nicht neu und auch nicht von uns erfunden. Dennoch sei an dieser Stelle aus Weißenburg berichtet, weil das Konzept bei uns einen durchschlagenden Erfolg hatte, bei kaum erwähnenswerten Kosten. Vor Ort haben wir eine private Kabarettbühne, dessen Leiter die „Weißenburger Literaturnacht“ 2007 ins Leben rief, aber nicht auf die Idee kam, die Stadtbibliothek einzubeziehen. Andersherum hatten wir erst kurzfristig von seiner Veranstaltung erfahren und bereits eine Bibliotheksnacht geplant. Klassicher Fall von „dumm gelaufen“.

Also nahmen sich beide Buchhandlungen vor Ort, Luna-Bühne und Stadtbibliothek vor, künftig zu kooperieren. Erster Akt war eine Umsetzung für Kinder zum Welttag des Buches. An fünf Orten innerhalb der Altstadt fanden halbstündlich Lesungen statt: im Römerkastell, in einer Kapelle oberhalb unserer Haupt-Kirche, im Tresorraum der Sparkasse, in der Arrestzelle der Polizei und im – bis auf wenige Kerzenlichter abgedunkelten – Keller unserer Bibliothek.

Treff- und Sammelstelle war die Stadtbibliothek. Dort wurden die 120 Kinder in fünf Gruppen eingeteilt mit jeweils einem Betreuer. Jede Gruppe wurde zu einem Leseort geschickt und dann ging es im Uhrzeigersinn weiter. Gelesen wurde ehrenamtlich, Personen und Texte standen im Zusammenhang mit dem Leseort.

Zweiter Akt war nun zur Aktion „Deutschland liest – Treffpunkt Bibliothek“ die „2. Weißenburger Literaturnacht“ am 24.10.08. Zur Vorbereitung trafen sich die üblichen Verdächtigen, also die vier Veranstalter, und steckten die Köpfe zusammen. Um 19 Uhr beginnend, sollten im halbstündlichen Turnus an fünf Orten sechs Lesungen stattfinden. Eine Reihenfolge wollten wir den Besuchern nicht vorgeben. Wir bauten darauf, dass sich das Publikum von selbst verteilt.

Orte: eine ehemalige Glaserei, der Söller des Gotischen Rathauses, wiederum die Kapelle oberhalb unserer Kirche, das Apothekenmuseum und das frisch eingerichtete „Historische Klassenzimmer“ in der Grundschule. Am Ende, so unser Plan, sollte sich alles in der Stadtbibliothek treffen. Wir übernahmen die Getränke, ein Buchhändler, der gleichzeitig das Museumscafé betreibt, kümmerte sich um Fingerfood. Dazu träumte ich von Kerzenlicht und Jazz, was sich im Team dann tatsächlich ohne weiteres realisieren ließ. Um das Konzept auch irgendwie der Öffentlichkeit verständlich zu machen, trafen wir uns zu einem Pressetermin. Trotz des aus unserer Sicht guten Artikels gab es im Vorfeld viele Nachfragen: In welcher Buchhandlung ist das jetzt? In welcher Reihenfolge sind die Lesungen? etc. Aber schließlich wurde es doch verstanden. Der Handzettel mit Leseorten, Anfangszeiten und Lageplan war elementar wichtig.

Getippt hatte ich auf 80 Besucher, so 60 würden den Weg in die Bibliothek finden. Nach der Öffnungszeit fingen wir an umzuräumen und zu dekorieren. Wir tappten im Dunkeln, wann was über uns hereinbrechen würde. Eine kurze Fahrradtour zu allen Leseorten beendete das Rätseln: zu wenig Eintrittskarten, Räume überfüllt, das Essen wird nicht reichen! Es waren über 160 Leute bei den Lesungen unterwegs!

Als um 21 Uhr das Jazztrio mit dem Aufbau begann, waren die ersten Gäste bereits eingetroffen. Nach 22 Uhr waren sie nicht mehr zu zählen. Es werden 120 gewesen sein, alle in bester Stimmung und begeistert über die verwandelte Bibliothek, wurde ausnahmslos von schönen Lesungen berichtet. Um die kulinarische Versorgungslücke hatte sich bereits das Museumscafé gekümmert.

Aus den Eintrittsgeldern (5 EUR, erm. 3 EUR) und den Getränkeeinnahmen ließen sich problemlos die Musiker, die GEMA (!) und das Essen bezahlen. Auf Plakate und Anzeigen hatten wir verzichtet. Ein sichtlich gut gelaunter Oberbürgermeister verabschiedete sich mit „Das machen wir nächstes Jahr wieder!“ Mit diesem Bericht möchte ich Mut machen, neue Wege zu gehen und vor allem, sich für Veranstaltungen Partner zu suchen. Bei der Organisation ist mehr abzustimmen, mehr zu überlegen. Aber: mit einer eigenen Veranstaltung hatte ich noch nie dermaßen viele Leute in der „Bib“. Mir ist schier das Herz aufgegangen, es war die Erfüllung einer Vision.

Paul Lensing

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weitere Informationen (Website der Stadtbibliothek)

Kontakt:
Stadtbibliothek Weißenburg
Lkr.: Weißenburg-Gunzenhausen (Mittelfranken)
Tel.: 0 91 41 – 92 16 12
Fax: 0 91 41 – 92 16 11
stadtbibliothek@weissenburg.de

Ansprechpartner/in:
Paul Lensing
stadtbibliothek@weissenburg.de

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