1. Passauer Bookslam

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Wie man mit Büchern slamen kann – Eindrücke vom ersten Passauer Bookslam mit Schülern der Klasse 9a

Machen wir zu Beginn ein kleines Gedankenexperiment: Nehmen wir an, Sie wollen sich nach langer Zeit etwas Gutes tun und wieder mal richtig ausgiebig lesen. Sie gehen also in die nächstbeste Buchhandlung und fragen den Verkäufer um Rat. Spannend soll es sein, so Ihre Vorgabe, am besten ein Krimi, und – ganz wichtig – Niveau soll es haben. Was jetzt kommt, setzt Sie jedoch in Erstaunen und macht fassungslos: Der Angestellte verschwindet, kommt nach kurzer Zeit mit Agatha Christies Klassiker Mord im Orientexpress wieder und redet dann im Stile einer Teleshop-Verkaufsshow auf Sie ein, damit Sie als Kunde auch ja schnell zugreifen. – Unvorstellbar, denken Sie jetzt? Nun, nicht so beim ersten Passauer Bookslam-Wettbewerb, der am 26. Januar 2009 in der Passauer Europa-Bücherei mit Schülern des Leopoldinums unter der Leitung des Lehramtsassessors Markus Peter und den Bibliothekaren der Europa-Bücherei Olivia Kelsch und Uwe Kollnmorgen  stattfand. Wie oben beschriebene bizarre Kombination von Klassiker und Werbetalk brachte seinem Erfinder dort sogar den Sieg – und machte nebenbei dem Rest der Klasse 9a richtig Lust aufs Lesen.

Bookslam, so heißt eine Methode zur Leseförderung Kinder und Jugendlicher, bei der verschiedene Kandidaten zwischen drei und fünf Minuten Zeit haben, ein von ihnen gelesenes Buch auf möglichst kreative Weise vorzustellen, am besten so, dass das lauschende Publikum nachher Lust verspürt, es ebenfalls zu lesen. Erlaubt ist dabei alles, was auffällt und  Eindruck macht: Stegreifspiele, Gedichte, ein selbst verfasster Rap, Interviews, Pantomime, Schattenspiele, Zeichnungen usw. Der Kreativität sind hier kaum Grenzen gesetzt. Sind die fünf Minuten um, wird der Präsentator von einer Trillerpfeife jäh unterbrochen und muss die Bühne für den nächsten Kandidaten räumen. Unterdessen stimmt das Publikum über den Vortrag ab: bis zu zehn Punkte kann eine Person vergeben, die einzelnen Wertungen werden dann zusammengezählt und auf einem Flipchart festgehalten. Wer am Ende die meisten Punkte hat, ist – wie bei nahezu allen bekannten Spielen auch – der Sieger und darf sich über einen kleinen Preis freuen. Bei verwandten Wettbewerbsformaten wie dem etablierten Poetry-Slam besteht dieser traditionell aus einer Flasche Whisky. In unserem Fall, und angesichts der doch jungen Teilnehmerschar wurde natürlich auf Schokolade ausgewichen.

Lesestoff hatten die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9a genug. Schon vor den Weihnachtsferien durften sie aus einer großen Bücherkiste, die von der Europa-Bücherei zur Verfügung gestellt wurde, ein Werk auswählen, das sie während der Feiertage lesen wollten. Für die Auswahl stand im Unterricht ausreichend Zeit zur Verfügung. Nach den Ferien wurden dann zehn Kandidaten ausgelost, die ihr Buch beim Bookslam offiziell vorstellen durften. Alle anderen Schüler taten dies im Laufe des Schuljahres als Kurzvortrag vor der Klasse. So war sichergestellt, dass alle Beteiligten auch tatsächlich die Gelegenheit bekamen, ihr Buch ins rechte Licht zu rücken.

Die Beiträge für den Bookslam übertrafen indes die Erwartungen der Verantwortlichen: mit viel Phantasie und Einsatz gestalteten die Kandidaten ihre Präsentationen und brachten den Zuhörern Teile des Buchinhalts oder markante Szenen dar. Ganz im Sinne der englischen Wortvorlage (to slam=schlagen) agierten die Schüler schnell, überraschend und eindringlich, was das Publikum mit donnerndem Applaus quittierte. Den ersten Preis sicherte sich der überlegen und witzig auftretende Maximilian Brandl mit seinem skurrilen Verkaufgespräch.  Theresa Rühl landete mit einer Performance zu Justin Richards Lord der Vampire auf Platz zwei, während Felix Kuklinski mit der szenischen Umsetzung von Lehmann oder die Versuchung den dritten Platz machte.

Am Ende blieb bei allen Beteiligten die Erkenntnis, dass es Spaß gemacht hat, sich auf diese Weise mit Literatur zu beschäftigen. Da jeder Teilnehmer ein Buch aus seinem Lieblingsgenre wählen konnte, fehlte es auch nicht an der entsprechenden Motivation zum Lesen. Für die Bereitstellung des reichhaltigen Lektüreangebots sei den Verantwortlichen der Europabücherei, allen voran Olivia Kelsch, noch einmal herzlich gedankt! Bleibt zu hoffen, dass sich die Reihe bald fortsetzt – beim zweiten Passauer Bookslam!

Das Projekt ist entstanden nach einer Idee von Stephanie Jentgens (Akademie Remscheid) und der Broschüre „Tatort Bibliothek“ (Hrsg. Susanne Krüger) und wurde in Zusammenarbeit mit LAss. Markus Peter und  den Bibliothekaren Olivia Kelsch und Uwe Kollmorgen (Europa-Bücherei) ausgearbeitet. Die Aktion ist gerade für die bekanntermaßen nicht sehr lesemotivierten Jugendlichen sehr nachahmenswert. Denn die unkonventionelle Art der Performance, ein Buch vorzustellen, macht so richtig Lust auf’s Lesen.

Bibliothek: Europabücherei Passau
Anschrift: Schießgrabengasse 2
94032 Passau
Tel.: 08 51 – 92 98 9 – 0
Fax: 08 51 – 36 56 8
E-Mail:

europabuecherei@passau.de

Ansprechpartner: Olivia Kelsch
E-Mail:

olivia.kelsch@passau.de

Internet: www.passau.de/kultur/europabuecherei

Von: LAss. Markus Peter

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